Puccini 2015

Musik von Puccini (1858-1924), einem der meistgespielten Komponisten der großen italienischen Oper – und das in der Kirche? Tatsächlich stammt Puccini aus einer toskanischen Kirchenmusiker-Familie; als 20-jähriger schrieb er die „Messa di Gloria“, noch bevor er an das Mailänder Konservatorium ging, um Opernkomponist zu werden.

In dieser Komposition für Soli, Chor und Orchester hört man einerseits seine jugendliche Frische, kann aber auch schon seine Entwicklung zum gefeierten Opernkomponisten vorausahnen. Neben manchen kühnen harmonischen Wendungen sind dies besonders kantable, schöne Melodien und der Sinn für musikalische Dramaturgie.

Nach dem Erfolg des Projekts „Die Schöpfung“ von J. Haydn im Jahr 2012 wurden auch 2015 wieder begeisterte Sängerinnen und Sänger aus dem Raum Stuttgart zu einem intensiven Probenjahr eingeladen. Die Choreinstudierung lag in den Händen von Carolin Strecker und Jens Paulus. Karsten Ott übernahm die Assistenz am Klavier. Es war für alle ein besonderer Reiz und eine Herausforderung zugleich, die italienische Klangwelt des 19.Jahrhunderts zu entdecken und an den differenzierten Stimmungen des vertonten Messetexts zu arbeiten.

Zwei Aufführungen krönten die gemeinsame Arbeit: am 24.10.2015 in unserer Kirche Stuttgart-Süd, und am 25.10.2015  in der voll besetzten ev. Friedenskirche in Ludwigsburg.

Maßgeblichen Anteil an beiden Konzerten hatte das in großer sinfonischer Besetzung spielende Kammerorchester der NAK Stuttgart unter Birgit Müller, die das Orchester nun bereits seit 15 Jahren leitet und immer wieder zu bewundernswerten Leistungen führt. Zu Beginn wurde das von Puccini 1882 komponierte „Preludio sinfonico“ gespielt – ein wunderschönes Orchesterstück, das nach den einleitenden sphärischen Klängen der Streicher ein arioses Thema entwickelt und variiert.

Dann vereinigten sich die 2 Gesangssolisten, der Chor mit ca. 100 Sängerinnen und Sängern und das 40-köpfige Orchester zum Hauptwerk des Konzerts, der „Messa di Gloria“. Dank der intensiven Probenarbeit und ihrer motivierenden Dirigierweise gelang der Dirigentin Carolin Strecker trotz des großen Ensembles ein hochkonzentriertes Musizieren. Sehr beeindruckend war  die differenzierte Interpretation der in Ausdruck, Dynamik und Tempo kontrastreichen, der jeweiligen Textaussage folgenden Musik. Dies reichte vom zarten und anrührend vorgebrachten „Kyrie eleison“ (Herr, erbarme dich unser) bis zum kraftvollen „Qui tollis“ (Das Lamm, das der Welt Sünde trägt) ganz im Stil eines opernhaften Triumphmarsches.

Auch die beiden Gesangssolisten gestalteten ihren Part auf hohem Niveau. Roger Gehrig mit seinem schlanken, gut geführten Tenor sang klangschön bis in die höchsten Lagen. Jens Paulus hatte sowohl die Bass- wie auch die Baritonpartie übernommen und gestaltete klangvoll und mit großem emotionalem Ausdruck das dramatisch-düstere „Cruxifixus“ ebenso wie das ariose „Benedictus“.

Die Zuhörer, von denen wohl die meisten beide Werke zum ersten Mal hörten, dankten allen beteiligten Musikern mit begeistertem Applaus für ein ungewöhnliches musikalisches Erlebnis.